Hanomag Wehrtechnik

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch bei der Hanomag, die zum Bochumer Verein gehörte, die Umstellung der Produktion auf Rüstungsgüter, der per Diktat die zivile Automobilproduktion zum Opfer fiel – Geschütze, Einheits-Pkw und Halbkettenfahrzeuge hatten Vorrang.


„Nazi-Größe" bei Hanomag Mitarbeitern

Hermann Göring spricht vor Hanomag Mitarbeitern

 

 

Nationalsozialistische „Größe” bei den Mitarbeitern der Hanomag

 

Die Hanomag war für die nationalsozialistische Regie- rung ein äußerst wichtiges Unternehmen. Bereits im Herbst 1934 kam es zum ersten Treffen zwischen Hitler und dem Generaldirektor der Hanomag, Walter Borbet. Was hier unter strengster Geheimhaltung vereinbart wurde, ist nicht schwer zu erraten. Der Bochumer Verein, zu dem die Hanomag jetzt gehörte, wurde nach Absprache mit der Wehrmacht zu einem Rüstungs- betrieb umstrukturiert.

Bereits Ende 1934 liefen bei der Hanomag die Planungen unter strengster Geheimhaltung an. Am 19. März 1935 war es dann soweit, die Hanomag schloss mit der Wehrmacht einen Vertrag zur Lieferung von Feldhaubitzen 10 cm und Flakgeschützen 8,8 cm ab. Im August 1935 kamen die Fertigung und Lieferung von Granaten diverser Kaliber hinzu.


 

10 cm Feldhaubitzen von der Hanomag gefertigt

 

Von der Hanomag gefertigte 10 cm Feldhaubitzen vor der Auslieferung

Wenn Hitler das deutsche Volk sonst betrog, mit der Abschaffung der Arbeitslosigkeit sollte er recht behalten, auch die Hanomag half hier mit beachtlichen Neueinstellungen.

Betrug die Anzahl der Mitarbeiter bei Hanomag im Juli 1933 noch 2.500 Beschäftigte, so erhöhte sie sich bis zum 31. Dezember 1934 auf 3.400.Ende 1935 waren es 9.100 und am 31. Dezember 1938 sogar 10.600 Mitarbeiter. Vor der Fertigung von Automobilen und Ackerschleppern hatte seit 1937 die Rüstung oberste Priorität. Bis 1937 kam man mit den vorhandenen Gebäude- und Maschinenkapazitäten zur Fertigung der Kanonen und Granaten aus. Nur in Einzelfällen mussten vom Bochumer Verein Sondermaschinen beschafft werden. Die Kanonen wurden im Gebäude 6 und die Granaten in den Gebäuden 31, 36, 38 und 94 gefertigt.


17 cm Feldhaubitzen

 

 

Hanomag Granaten-Dreherei

 

Massenfertigung in der Granaten- Dreherei

Die Kanonenrohr-Rohlinge wurden in den Stahlwerken des Bochumer Vereins hergestellt und zur Hanomag angeliefert. Die Granaten wurden im warmen Zustand im Preßwerk (Gebäude 31) gepresst, die mechanische Bearbeitung fand in den Gebäuden 36, 38 und 94 (Dreherei I und III) statt.

Über die ab 1939 im Gebäude 16 gefertigte 100-kg-Fliegerbombe liegen keine Stückzahlen vor. Fest steht, dass diese für Hanomag unbe- deutend gebliebene Bombenfertigung bereits 1942 wieder aufgegeben wurde.

Letzte Überprüfung von 17-cm-Feldhaubitzen im Gebäude 6

Geschützturm

 

Geschützturm für den Atlantikwall

 

Kanonenrohre von großer Länge konnten nicht in einem Stück bearbeitet werden. Diese Rohre wurden in drei Teilstücken fertig bearbeitet und dann im Schrumpfturm zu einem kompletten Rohr zusammengeschrumpft.

Ganze drei Stück Kanonenrohre vom Kaliber 38 cm und sieben vom Kaliber 28 cm wurden in dieser Anlage gefertigt. Die drei Kanonenrohre vom Kaliber 38 cm kamen 1942/43 nach Calais (Frankreich) in eine Küstenbefestigung. Mit diesen Großkaliber-Geschützen wurde die Stadt Dover in England beschossen.


 

Eisenbahngeschütz


Von 1941 bis 1943 wurden bei der Hanomag sieben Eisenbahngeschütze montiert. Bis auf die 28-cm-Kanonenrohre und Rohrrücklaufbremsen, die bei der Hanomag gefertigt wurden, lieferte der Bochumer Verein alle anderen Bauteile zur Endmontage an.

Eisenbahngeschütz „Dicke Berta” im Gebäude 2


Halbkettenfahrzeug Typ 250/251

 

 

 

Auch der Mannschaftstransportwagen „MTW“, ein Halbkettenfahrzeug, wurde von 1935 bis 1945 bei der Hanomag gebaut. Waren es 1935 pro Monat 18 Stück, so erreichte die Produktion 1944 mit 110 Stück im Monat ihren Höchststand. Von diesem Halbkettenfahrzeug Typ SDK 250/251 wurden die verschiedensten Ausführungen gebaut. Sie wurden teilweise mit MG’s, Mörsern oder kleinen Kanonen und als Pionierversion mit Aus- legerbrücken ausgestattet.

Testfahrt eines fertig montierten Halbkettenfahrzeugs Typ 251, 1939


 

Hanomag SSL 100

Tieflader für V 2 Raketentreibstoff

 

SSL 100 mit Treibstofftank auf einem Tieflader für die Rakete V 2 bei Penemünde
 

Die Raupenschlepperfertigung lief ebenfalls 1943 aus. Bei den Zugmaschinen das gleiche Bild, die Produktion der SS 50 lief 1941 und die der SS 20 im Jahre 1942 aus. Abso- lute Priorität aber hatte die SS 100.

Die Zugmaschine SS 100, ab 1941 nur von der Wehrmacht genutzt, wurde bis 1945 mit ständig steigenden Stück- zahlen gefertigt. Um dies zu erreichen, wurde das Gebäude 33 um zwei Hallen-Schiffe (4-5) erweitert. 1944 hat die Hanomag 700 Stück SS 100 gefertigt.


Tanknachbildungen

Tanknachbildungen

 

 

 



Schon das Kommißbrot diente ab 1927 als Basis für Tank Nachbildungen zu Übungszwecken. Aus seinen Nach- folgemodellen 3/16 bis hin zum Sturm entstanden Kübel-Pkw für die Reichswehr. Ab 1937 mussten BMW und Hanomag im Rahmen des sogenannten Schell-Planes auch leichte Einheits-Pkw für die Wehrmacht bauen, weil es den Stoewer Werken an ausreichenden Fertigungskapazitäten fehlte.


 

Hanomag Rekord als Kübelwagen

 

 

Von Hanomag kam zunächst der serienmäßige 4/20 ab 1931 zum Einsatz, gekennzeichnet durch einen damals üblichen, drastisch-bunten Tarnanstrich. Auch als offener Fernsprech-Kraftwagen und dreisitziger Kübelwagen wurde das gleiche Modell umgebaut, wobei diese Autos mit Halterungen für Waffen und Klappverdecken versehen wurden und keine Türen hatten.

Damit die Soldaten nicht hinausfielen, setzte man sie in Kübelsitze, den heutigen Schalensitzen vergleichbar – so wurde im Sprachgebrauch schnell der Kübelwagen geboren.


Restaurierte Hanomag SDK Kanonenwagen

 

 

 

Noch heute sind restaurierte Wehrmachtsfahrzeuge der Hanomag im Gebrauch. Doch diese werden vorwiegend im Ausland gesammelt und gepflegt. Wobei die SDK Kanonenwagen über ebay-international käuflich erworben werden können.

Auf dem unteren Bild ist ein Hanomag RS 200 abgebildet. Dieser wurde auf dem „13th MVPA 25th Anniversary International Convention” in Fort Lee, Virginia, USA vom 18. bis 21. Juli 2001 vorgeführt.

Restaurierter Hanomag Spezialwagen RS 200

 

 

 



7. Buch der Hanomag-Edition – Wehrtechnik

Zum Abschluss unserer Hanomag-Edition planen wir, das letzte Buch der Wehrtechnik zu widmen. Nur die Recherche ist ungleich schwieriger als bei den vorangegang enen Büchern. Viele Unterlagen, Konstruktions- zeichnungen, Fotos, etc. sind in den Wirren der Nachkriegszeit verloren gegangen.


Deshalb suchen wir:

Zeitzeugen und Sammler die mit uns gemeinsam dieses Buch machen wollen. Wir freuen uns über Berichte, Fotos, Prospekte und alles Sachdienliche, was so ein Projekt „lebendig” macht.

Sollten Sie sich angesprochen und motiviert fühlen, am Buch über die Hanomag Wehrtechnik mit zu arbeiten, würde es uns freuen, wenn Sie Kontakt mit dem Herausgeber Horst-Dieter Görg aufnehmen. Am Besten über

h-dieter.goerg@t-online.de.

Haben Sie möglicherweise hochaufgelöste Digitalbilder oder Scans, wenden Sie sich bitte direkt an die Werbeagentur, die die Druckvorstufe unserer Bücher durchführt: info@phoenix-werbeagentur.com

Wir freuen uns auf viele gute Kontakte und reichlich Material für das Buch!

Horst-Dieter Görg
Vorsitzender der Hanomag I G und

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Herausgeber der Hanomag-Edition


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